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drei hunde nacht


Krebs-Insekten greifen an!

         
         
         
 

         
   

 

   

 

Anmerkungen zur Insektenstich-Sarkom-Theorie in der deutschen Tiermedizin

 

 

Immer mehr Tierhalter lassen ihre Katzen und Hunde nicht mehr jährlich impfen. Diesem Trend versuchen Impfstoffhersteller und Tierarztorganisationen durch Propaganda entgegenzuwirken.

 

In der Argumentation ist man dabei nicht zimperlich: Das reicht von Halbwahrheiten bis hin zu grotesker Fehlinformation. Daß jährliche Impfungen immunologisch nicht begründbar sind, verschweigt man lieber ganz. Und Impfrisiken werden für praktisch nichtexistent erklärt.

 

Ein besonders plumpes Ablenkungsmanöver haben sich die Freunde des jährlichen Impfens zum Thema Impfsarkom einfallen lassen. Es sollen nämlich die Insekten schuld sein. 

 

So schrieb die Bundestierärztekammer in ihrem legendären „Merkblatt Impfungen“ für Tierhalter (März 2003):

 

Bei Katzen besteht der Verdacht, dass die Impfungen gegen Tollwut und Leukämie in sehr seltenen Fällen bösartige Tumoren des Bindegewebes (Fibrosarkome) hervorrufen können. Allerdings kann jede Injektion, theoretisch sogar ein Insektenstich, bei einer empfindlichen Katze potentiell Ursache für ein Fibrosarkom sein. Ursachen und Zusammenhänge werden zur Zeit wissenschaftlich geprüft.“

 

„Theoretisch“ ... „potentiell“ ... Diese Insektenstich-Theorie, von der Bundestierärztekammer noch relativ zurückhaltend formuliert, wird von praktischen Tierärzten als bewiesene Tatsache herumposaunt.

 

Ihre Argumentation geht so:

Erstens gibt es gar keine Impfsarkome.

Zweitens werden sie von Insektenstichen verursacht.

 

Weil die Insektenstich-Theorie bei impfwütigen Tierärzten so beliebt geworden ist, wollen wir einmal einen genaueren Blick darauf werfen.

 

 

1.      Lokalisation von Fibrosarkomen
 

Etwa 75 Prozent der Fibrosarkome bei Katzen entstehen an typischen Impfstellen: in der Nacken- und Schulterregion, an der seitlichen Brustwand, vereinzelt auch an hinteren Gließmaßen. Die übrigen Fibrosarkome befinden sich Körperstellen, wo nicht geimpft wird und normalerweise auch keine anderen Injektionen gegeben werden, zum Beispiel am Bauch oder an den Pfoten. 

 

Gäbe es keinen Zusammenhang zwischen Impfungen und Sarkomen, so wäre die Häufung der Tumore an Impfstellen – 75 Prozent! – völlig unerklärlich.

 

Würden Fibrosarkome durch Insektenstiche verursacht, so müßte sich eine ganz andere Verteilung auf die Körperregionen ergeben, die Tumore müßten viel gleichmäßiger über den Körper verteilt entstehen.

 

Oder haben deutsche Insekten bei Katzen eine besondere Vorliebe für die Schulter-/Nackenregion und die seitliche Brustwand?

 

 

2.      Zunehmende Häufigkeit der Fibrosarkome

 

In den USA fiel das Impfsarkom erstmals in Pennsylvania auf, und zwar einige Jahre nachdem dort die Tollwutimpfung für Katzen gesetzlich vorgeschrieben worden war. Zugleich wurde seit Ende der 80er Jahre die Impfung gegen das feline Leukämievirus (FeLV) immer häufiger. Ähnlich verhielt es sich in Indiana: Dort ermittelten Veterinärpathologen, daß sich die Zahl der Fibrosarkome zwischen 1988 und 1994 verachtfacht hatte. Meldungen über einen Anstieg der Sarkomfälle kamen bald aus dem ganzen Land. 

 

Die US-Hochschulveterinäre zählten eins und eins zusammen:

 

Mehr Impfungen, mehr Fibrosarkome an Impfstellen – da muß doch ein Zusammenhang sein.

 

Seitdem wird das in den USA intensiv erforscht.

 

Doch in der deutschen Tiermedizin blendet man solche offensichtlichen Zusammenhänge lieber aus. Immer mehr Fälle von Fibrosarkomen bei Katzen? Na, dann wird das wohl daran liegen, daß die Insekten mehr stechen oder beißen als früher.

 

 

3.      Histologische Charakteristika von Impfsarkomen

 

Wie hirnrissig die Insektenstich-Theorie ist, zeigen auch die Untersuchungen über die histologischen Charakteristika von Impfsarkomen. Sarkome an Impfstellen unterscheiden sich, wenn man sie näher betrachtet, von Sarkomen an Nicht-Impfstellen. Nicht in allen Fällen, aber in den meisten. Besonders typisch für Impfsarkome sind u. a. periphere Ansammlungen von Lymphozyten und Makrophagen (= Arten von Immunzellen).

 

 

4.      Einige Fakten zum Impfsarkom in Deutschland

 

Im Deutschen Tierärzteblatt, Ausgabe Dezember 2003, veröffentlichte das Paul-Ehrlich-Institut eine Zusammenfassung der Meldungen über Impfnebenwirkungen bei Tieren aus den Jahren 1998 bis 2002. Für Katzen wurden dabei ganze 45 „lokale Reaktionen“ nach Impfungen gemeldet. Also hat es, nimmt man diese Angaben für bare Münze, in Deutschland in den Jahren 1998 bis 2002 höchstens 45 Impfsarkome bei Katzen gegeben. Schön wär’s. 

 

Diese lächerlich niedrige Zahl zeigt nur eines: nämlich daß deutsche Tierärzte Impfsarkome so gut wie niemals ans Paul-Ehrlich-Institut melden.

 

In Wirklichkeit erkranken leider sehr viel mehr Katzen am Impfsarkom. So wurden an der Veterinärpathologie der Universität Gießen in den Jahren 1998 bis 2000 Hunderte Gewebsproben von Fibrosarkomen für eine Studie untersucht. Von den 364 Sarkomen, von denen man die Körperstelle kannte, wurden 267 als impf-assoziierte Sarkome klassifiziert. (Fibrosarkome ohne Angabe der Körperstelle wurden in die Studie nicht einbezogen.) Also hat allein die Veterinärpathologie Gießen in drei Jahren sehr viel mehr Impfsarkome untersucht, als dem Paul-Ehrlich-Institut in fünf Jahren gemeldet worden sind. Und Gießen ist nur eines dieser Labore in Deutschland – es gibt noch viele andere.

 

Nach Auskunft des Kleintiervirologen Dr. Martin Kessler werden jährlich in Deutschland etwa 3000 Fibrosarkome bei Katzen in den Pathologie-Laboren diagnostiziert. Davon stammen etwa etwa 75 Prozent von typischen Impfstellen.

 

Somit ergeben sich pro Jahr etwa 2250 Fälle von Impfsarkomen bei Katzen. Mindestens. 

 

Denn es dürften noch einige mehr sein, weil nicht alle Sarkome in pathologischen Instituten diagnostiziert werden – sei es, weil es dem Tierhalter zu teuer ist, sei es, weil der Tierarzt das für überflüssig hält.

 

 

Resümee

 

Mit der Insektenstich-Theorie macht sich die deutsche Tierärzteschaft international zum Gespött. Das wirksamste Mittel, das Impfsarkom-Risiko zu verringern, liegt im immunologisch begründeten Verzicht auf jährliche Impfungen.

 

 

© 2004: Monika Peichl
www.haustierimpfungen.de

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